Die meisten Grafikkarten-Benchmarks beantworten eine recht einfache Frage: Wie viele Bilder pro Sekunde schafft ein System in einer bestimmten Szene? Das ist nützlich, greift bei modernen Spielen aber zunehmend zu kurz. Denn aktuelle Grafikeffekte, KI-Upscaling und Frame Generation verändern die Art, wie Spielebilder entstehen. Ein kommender 3DMark-Test von UL Solutions soll genau diese Entwicklung stärker abbilden.
Im Mittelpunkt steht vollständiges Pathtracing für besonders leistungsstarke Gaming-PCs. Zusätzlich sind ein nativer 4K-Modus, verschiedene KI-Upscaling-Verfahren und Frame Generation vorgesehen. Der Test könnte damit zu einem wichtigen Vergleich für künftige High-End-Grafikkarten werden. Fertige Ergebnisse oder ein verbindlicher Veröffentlichungstermin liegen derzeit allerdings noch nicht vor.
Was bisher über den neuen 3DMark bekannt ist
UL Solutions hat im Umfeld der Computex 2026 erste Bilder und einen Teaser zu einer neuen 3DMark-Testsequenz gezeigt. Die finale Bezeichnung steht nach aktuellem Stand noch nicht fest. In den bisher gezeigten Informationen wird der Test als Next-Generation-Raytracing- beziehungsweise Pathtracing-Test beschrieben.
Das ist ein wichtiger Unterschied zu vielen bisherigen 3DMark-Szenarien. Raytracing wird in aktuellen Spielen häufig nur für einzelne Effekte eingesetzt, etwa für Spiegelungen, Schatten oder ausgewählte Lichtquellen. Beim Pathtracing wird die Beleuchtung wesentlich umfassender simuliert. Dadurch steigt die Rechenlast deutlich, gleichzeitig können Licht, Reflexionen und indirekte Beleuchtung realistischer wirken.
Der geplante Test richtet sich ausdrücklich an sehr leistungsstarke Grafikkarten. Das bedeutet nicht automatisch, dass ältere Modelle gar nicht starten können. Es ist aber absehbar, dass die Ergebnisse vor allem bei aktuellen High-End-GPUs interessant werden. Für typische Mittelklassekarten dürfte ein solcher Benchmark eher die technischen Grenzen als realistische Spieleleistung zeigen.
Warum Pathtracing für Grafikkarten so anspruchsvoll ist
Bei klassischer Rasterizer-Grafik wird eine Szene mit vielen speziell optimierten Verfahren berechnet. Entwickler legen dabei fest, wie Objekte, Schatten und Licht möglichst effizient dargestellt werden. Das funktioniert sehr schnell, erfordert aber zahlreiche Näherungen und besondere Tricks.
Raytracing und Pathtracing verfolgen Lichtstrahlen beziehungsweise Lichtwege wesentlich direkter. Bei vollständigem Pathtracing wird nicht nur ein einzelner Effekt berechnet. Die Beleuchtung einer Szene hängt von vielen Lichtwegen ab, die an Oberflächen reflektiert, gebrochen oder gestreut werden können. Genau diese aufwendige Berechnung macht Pathtracing optisch interessant, belastet die GPU aber massiv.
Für die Hardware bedeutet das: Eine Grafikkarte kann in einem klassischen Rasterizer-Benchmark sehr schnell sein und bei Pathtracing trotzdem deutlich stärker einbrechen. Deshalb haben moderne GPUs spezielle Einheiten und Verfahren für Raytracing entwickelt. Der Bauteilname allein sagt allerdings noch nichts darüber aus, wie gut das Gesamtsystem in einem konkreten Spiel oder Benchmark abschneidet.
Ein Pathtracing-Test kann also eine wichtige zusätzliche Perspektive liefern. Er ersetzt aber keine Spielebenchmarks. Wer hauptsächlich ältere oder weniger anspruchsvolle Titel spielt, erhält aus einem extremen Pathtracing-Szenario nur einen begrenzten Mehrwert.
Natives 4K und KI-Upscaling sollen getrennt betrachtet werden
Eine Besonderheit des geplanten 3DMark-Tests ist die offenbar vorgesehene Kombination aus nativer 4K-Darstellung und modernen Upscaling-Techniken. Im nativen Modus rendert die Grafikkarte das Bild tatsächlich in der Zielauflösung. Das ist die sauberste Grundlage, um die reine Rechenleistung zu vergleichen, kostet bei Pathtracing aber besonders viele Ressourcen.
KI-Upscaling funktioniert anders. Die Grafikkarte berechnet das Bild intern in einer niedrigeren Auflösung und rekonstruiert daraus ein höher aufgelöstes Ergebnis. Je nach Verfahren können Bewegungsdaten, Tiefeninformationen und frühere Einzelbilder genutzt werden. Das spart Rechenleistung, verändert aber auch die Bildberechnung.
Für Spieler ist diese Unterscheidung sehr wichtig. Ein Spiel mit aktiviertem Upscaling kann deutlich flüssiger laufen, obwohl die Grafikkarte nicht dieselbe native Renderarbeit erledigt. Ein Benchmark sollte deshalb klar ausweisen, ob native Auflösung, Upscaling oder eine Kombination aus beidem gemessen wird.
| Testmodus | Was wird gemessen? | Praktische Bedeutung |
|---|---|---|
| Native 4K-Auflösung | Rendering ohne Upscaling | Zeigt die reine Renderlast, ist aber besonders anspruchsvoll |
| 4K mit Upscaling | Interne niedrigere Auflösung mit Rekonstruktion | Näher an vielen modernen Spieleinstellungen |
| Upscaling mit Frame Generation | Zusätzliche künstlich erzeugte Zwischenbilder | Kann die Bildrate erhöhen, ist aber nicht mit nativer Leistung gleichzusetzen |
Die Tabelle zeigt bereits, warum ein einzelner Punktestand nicht ausreichen wird. Zwei Grafikkarten können in nativer 4K-Auflösung deutlich unterschiedlich abschneiden, bei aktiviertem Upscaling aber näher zusammenrücken. Mit Frame Generation kann sich die angezeigte Bildrate nochmals verändern, ohne dass die Grafikkarte dieselbe Anzahl vollständig berechneter Bilder erzeugt.
Frame Generation macht die Auswertung komplizierter
Frame Generation erzeugt zusätzliche Zwischenbilder aus bereits berechneten Bildern und Bewegungsinformationen. Das kann in passenden Spielen für ein flüssigeres Bewegungsgefühl sorgen. Die Technik ist deshalb für moderne Gaming-PCs relevant, sollte aber nicht einfach mit klassischer Renderleistung gleichgesetzt werden.
Ein Benchmark, der Frame Generation unterstützt, muss mehrere Werte sauber trennen. Dazu gehören mindestens die tatsächlich berechneten Bilder, die zusätzlich erzeugten Zwischenbilder, die Eingabeverzögerung und die Stabilität der Darstellung. Eine hohe Bildrate allein beschreibt nicht automatisch ein besseres Spielerlebnis.
Gerade bei einem standardisierten Test ist das eine Herausforderung. Ein Benchmark soll möglichst leicht verständliche Ergebnisse liefern. Gleichzeitig darf er nicht den Eindruck erwecken, eine durch Frame Generation erhöhte Bildrate sei technisch exakt dasselbe wie eine nativ berechnete Bildrate.
Für spätere Grafikkartenvergleiche wäre daher eine gestufte Darstellung sinnvoll:
- native Leistung ohne Upscaling oder Frame Generation
- Leistung mit vergleichbarem Upscaling
- Leistung mit aktivierter Frame Generation
- zusätzliche Angaben zu Bildqualität und Latenz, sofern messbar
Ob der fertige 3DMark diese Trennung in genau dieser Form umsetzt, ist noch offen. Die bisher bekannten Hinweise zeigen aber, dass UL Solutions moderne Rendering-Techniken nicht nur als optionales Detail behandelt.
Wie neutral kann ein solcher Benchmark sein?
Ein Benchmark ist nur dann besonders wertvoll, wenn die Ergebnisse zwischen verschiedenen Herstellern möglichst fair vergleichbar sind. Das gilt bei einem Pathtracing-Test noch stärker als bei klassischen Szenarien, weil die verwendeten Optimierungen und KI-Verfahren erheblichen Einfluss auf die Resultate haben können.
Die bisher gezeigte Testsequenz wurde im Rahmen einer Messepräsentation mit Unterstützung eines Sponsors gezeigt. In ersten Berichten wurde dabei Thermal Grizzly als Sponsor genannt. Der Themenimpuls zu diesem Artikel nennt dagegen Seasonic. Für die Einordnung ist deshalb wichtig: Eine Finanzierung oder Präsentation durch einen Hardwareanbieter ist nicht automatisch ein Beweis für eine Bevorzugung. Sie macht eine transparente Methodik aber umso wichtiger.
Entscheidend sind am Ende öffentlich dokumentierte Testbedingungen, identische Bildqualitätsvorgaben und nachvollziehbare Messmethoden. Dazu gehören auch Angaben zu Treibern, Presets, Auflösung, Upscaling-Modus und Frame-Generation-Einstellungen.
Ein weiterer Punkt betrifft die Frage, ob ein Benchmark tatsächlich typische Spieleleistung abbildet. Ein speziell für Pathtracing entwickeltes Szenario kann sehr nützlich sein, wenn die Entwicklung zukünftiger Spiele untersucht werden soll. Es kann aber gleichzeitig ein Extremfall bleiben, der mit der aktuellen Spielepraxis nur teilweise übereinstimmt.
Was der Test für Grafikkartenvergleiche bringen könnte
Der kommende Benchmark könnte eine Lücke zwischen klassischen Grafiktests und realen Pathtracing-Spielen schließen. Aktuelle Spielebenchmarks sind zwar praxisnah, aber nicht immer direkt zwischen verschiedenen Testsystemen vergleichbar. Spielepatches, Treiber und unterschiedliche Upscaling-Implementierungen können Ergebnisse verändern.
3DMark bietet dagegen den Vorteil einer standardisierten Testumgebung. Wenn die Szene, die Auflösung und die Qualitätsstufen identisch sind, lassen sich Grafikkarten leichter gegeneinander einordnen. Das ist für Kaufberatung, Overclocking und die Bewertung neuer GPU-Generationen hilfreich.
Besonders interessant dürfte der Vergleich zwischen nativer und beschleunigter Darstellung werden. Eine Grafikkarte kann bei nativer Pathtracing-Leistung schwach wirken, mit ihrem Upscaling-Verfahren aber im spielbaren Bereich landen. Umgekehrt kann ein hoher Benchmarkwert mit aktivierter Frame Generation weniger über die tatsächlich vorhandene Renderleistung aussagen.
Deshalb sollte der neue Test nicht als alleinige Rangliste verstanden werden. Eine gute Bewertung einer Grafikkarte braucht weiterhin mehrere Perspektiven:
- Rasterizer-Leistung in aktuellen Spielen
- Raytracing- und Pathtracing-Leistung
- Verhalten mit und ohne Upscaling
- Frame Pacing, Latenz und Bildqualität
- Stromverbrauch, Lautstärke und Preis
Wer nur auf einen extremen Benchmark schaut, kann wichtige Eigenschaften übersehen. Eine Karte mit niedrigerem Pathtracing-Ergebnis kann für bestimmte Spiele, Auflösungen oder Budgets trotzdem die bessere Wahl sein.
Für wen der neue 3DMark-Test interessant sein dürfte
Am meisten profitieren dürften Nutzer mit aktuellen High-End-Grafikkarten, die ihre Systeme vergleichen oder an die technischen Grenzen bringen möchten. Auch Enthusiasten, Übertakter und Tester erhalten voraussichtlich eine zusätzliche Möglichkeit, Raytracing-Hardware unter hoher Last zu bewerten.
Für Besitzer älterer oder günstigerer Grafikkarten ist der Test eher eine technische Standortbestimmung. Ein niedriger Wert kann zwar zeigen, dass Pathtracing für das System zu anspruchsvoll ist. Er sagt aber nicht automatisch, dass die Grafikkarte für normale Spiele ungeeignet ist.
Für die meisten Kaufentscheidungen bleibt außerdem entscheidend, welche Spiele tatsächlich genutzt werden. Wer vor allem kompetitive Spiele mit hohen Bildraten spielt, braucht häufig keine maximale Pathtracing-Leistung. Wer dagegen grafisch aufwendige Einzelspieler-Spiele in 4K mit aktivierter Beleuchtung bevorzugt, kann aus dem Test deutlich mehr ableiten.
Welche Alternativen für die Bewertung besser geeignet sind
Bis der neue 3DMark-Test erscheint, bleiben etablierte Benchmarks und reale Spiele die sinnvollere Grundlage. Ein klassischer 3DMark-Test kann Rasterizer-Leistung oder Raytracing-Fähigkeiten abbilden, ohne die vollständige Pathtracing-Last des neuen Szenarios zu verwenden.
Für die Praxis sind Spielebenchmarks oft noch aussagekräftiger. Sie zeigen, wie sich eine Grafikkarte mit konkreten Engines, Treibern und Bildqualitätseinstellungen verhält. Besonders hilfreich ist ein Vergleich mit mehreren Auflösungen sowie mit und ohne Upscaling.
Wer bereits eine Grafikkarte besitzt, sollte daher nicht auf den neuen Benchmark warten, wenn ein konkretes Problem gelöst werden soll. Für die Frage, ob ein Spiel flüssig läuft, sind Messungen im eigenen Spiel und mit den eigenen Einstellungen meist relevanter als ein synthetischer Extremtest.
Der neue 3DMark wird interessant, sobald die Testbedingungen, Kompatibilität und Ergebnisse öffentlich vorliegen. Bis dahin ist er eher ein Ausblick auf die Entwicklung von Grafikbenchmarks als ein fertiges Kaufkriterium.
Was vor einer späteren Nutzung geprüft werden sollte
Wenn der Test veröffentlicht wird, lohnt sich ein genauer Blick auf die Dokumentation. Die Bezeichnung Pathtracing allein reicht nicht aus, um die Aussagekraft zu beurteilen. Wichtig sind die konkrete Szene, die verwendete API, die Auflösung und der Umgang mit KI-Techniken.
Vor einer Interpretation sollten besonders diese Fragen beantwortet sein:
- Welche Grafikkarten und Betriebssysteme werden unterstützt?
- Gibt es getrennte Ergebnisse für native Darstellung, Upscaling und Frame Generation?
- Welche Bildqualitätseinstellungen gelten für die Herstellertechniken?
- Werden Frametimes und nicht nur durchschnittliche FPS erfasst?
- Gibt es eine offizielle technische Dokumentation zur Testmethodik?
Erst wenn diese Punkte geklärt sind, lässt sich der Benchmark sinnvoll in Testparcours einordnen. Ein besonders hoher Wert kann sonst durch ein günstiges Preset oder eine bestimmte Optimierung stärker beeinflusst werden, als es auf den ersten Blick erscheint.
Fazit
Der geplante 3DMark-Test mit Pathtracing ist ein sinnvoller Schritt, weil sich die Anforderungen moderner Spiele deutlich verändern. Vollständige Beleuchtungsberechnung, Upscaling und Frame Generation gehören bereits zur technischen Entwicklung aktueller Grafikkarten. Ein standardisierter Test kann helfen, diese Fähigkeiten nachvollziehbarer zu vergleichen.
Besonders wichtig wird die Trennung zwischen nativer Leistung und künstlich erzeugten Bildern. Ein Benchmark darf eine höhere Bildrate durch Frame Generation nicht einfach mit einer höheren klassischen Renderleistung gleichsetzen. Ebenso sollten unterschiedliche Upscaling-Verfahren nur dann direkt verglichen werden, wenn Auflösung und Bildqualität tatsächlich vergleichbar sind.
Derzeit ist der Test jedoch noch nicht veröffentlicht. Es gibt noch keinen endgültigen Namen, keinen verbindlichen Starttermin und keine belastbaren Grafikkarten-Ergebnisse. Deshalb wäre es falsch, aus dem gezeigten Teaser bereits konkrete Aussagen über die nächste GPU-Rangliste oder die Leistung einzelner Modelle abzuleiten.
Für High-End-Nutzer, Technikfans und Tester dürfte der neue Benchmark später spannend werden. Für eine normale Kaufentscheidung bleiben reale Spiele, Stromverbrauch, Lautstärke, Speichergröße und der konkrete Preis wichtiger. Meine persönliche Einordnung lautet daher: Das Konzept ist technisch relevant und überfällig, aber erst die fertige Methodik wird zeigen, ob daraus ein wirklich hilfreicher Vergleichstest oder lediglich ein besonders harter Showcase für moderne Grafikkarten wird.



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